interpretieren wir den titel philosophisch, dann schauen wir besser nach in band zwei der philosophie der symbolischen formen. hier dagegen schauen wir auf die gegenwart. die lage ist übersichtlich und wir brauchen ernst cassirer auch nicht zu bemühen. die aktuellen narrative beinhalten helden, schurken, elysische gefilde, katastrophen .. auf alle fälle superlative und auf ausdifferentierung wird verzichtet, bzw. sie wird tunlichst vermieden. sie werden erzählt und propagiert in den medien, in den straßen, auf demonstrationen, im familienkreis. die gesellschaften sind von ihnen durchdrungen und sie sind hochinfektiös, da sie auch geldmaschinen sind. und man hat es eilig, diese narrative in ausladende epische formen zu gießen, die geeignet scheinen, dann ins mythische überzugehen, und damit unumstößlich zu werden. zurück lässt man den fordernden logos, vertraut auf die wirksamkeit des mythos, ein selbstläufer, wie es scheint, die leichte muse der postmodernen verfremdung des realitätsprinzips.

die erziehung des dionysos

diese entwicklung, also die allgemeine präferenz von mythen gegenüber diskursiver kampfzonen, ist eine reaktion auf eine überforderung durch human-projekte wie, gesellschaft & diskurs (großkohorten), demokratie, pluralismus, humanismus, globaler wettbewerb .. und die disposition der individuen. last, but not least, der gesellschaftliche diskurs liefert auch keine cash-cows. eine deregulativ-libertäre allgemeine gesinnung, ist ihr beschleunigender treibstoff. in einer entwicklungspsychologie der gesellschaften, erscheint diese entwicklung als regressiv-adoleszente phase. eine interessante soziologische teilperspektive hierzu liefert a. reckwitz*.

*A. Reckwitz, Das Ende der Illusionen, Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. Suhrkamp, Berlin 2019