bis es ruht bei dir.
..und ich weiß sehr wohl, um was es hier geht. es geht um nicht weniger als eine liebe, eine liebe, nicht von swann, nicht von den gipfeln der leidenschaft, von platonischer herkunft, nein, wir sind kleinbürger, wir achten auf die ordnung der dinge, verlieren uns darin. wo dringt sie durch, wo bleibt sie hängen, wird sie auf sich selbst zurückgeworfen, wo ist nicht ihr reich, was will sie uns sagen, darum geht es. ok, verstehe, du siehst sie also wieder, ja. ja, gelegentlich. was heißt das. es ist mir noch nicht ganz klar, es ist .. sie ist .. anders rum, sie tut mir gut, da bin ich mal ganz pragmatisch und sie wird immer attraktiver mit den jahren, es ist sehr reizvoll, in ihrer nähe zu sein. und wie ist der sex. ok, wir geben uns beide keine besondere mühe. wir stürzen uns nicht aufeinander, wir warten ab, wir synchronisieren, wir vollziehen, die zeit danach ist uns beiden wichtiger, offenbar. der akt ist bei uns kein gesamtkunstwerk, durchkomponiert, in einzelheiten, oder eine veranstaltung, die spontanität in den vordergrund stellt, natürlich denke ich zurück, an die zeit, wo wir hungrig auf einander waren, aber genug davon. er steckte sich eine filterlose zigarette an, nahm das glas und prostete ihm zu, den abschluß dieser thematik seinerseits damit bekräfigend. zum wohl mein lieber, und jetzt zu dir. haha, tja, marie ist ausgezogen, letzten herbst. es war für sie ein last exit, ein weiter so, undenkbar, sie war kraftlos und manchmal verzweifelt und ich habe sie nicht mehr erreicht, thematisch nicht und auch nicht emotional, sie hat irgendwie aufgegeben, sich mitzuteilen, teilzunehmen, einzubringen, eine art blutleere befiel sie, ein anämischer seelenzustand.
sie machte hochkomplizierte sudokus um sich cerebral zu beschäftigen und der rest, ihr körper, ein substratartiges lebewesen, da, für diese sonderbegabung vegetativfunktionen bereitzustellen. ich wurde fast wahnsinnig, daneben, was nach zwei flaschen burgunder aber leichter zu ertragen war. ich fing ein verhältnis an, ja klar, mit einer beträchtlich jüngeren, aber das ist auch längst vergangenheit, schnee von gestern, ich habe zu sehr doziert, war selbstverliebt und rechthaberisch, war ihr summarisches urteil nach ein paar monaten, eigentlich sieben, und jetzt huldige ich einem moderaten quietismus, du bist der erste seit langer zeit, der mich besucht, den ich empfange, haha, echt schön, daß du gekommen bist mein alter freund, lieber Noah, wie nahtlos wir anknüpfen können an zurückliegende gespräche, großartig, danke dafür. der abend war vorüber, und er nahm sich ein taxi und fragte telefonisch seinen besuch an, und war willkommen. sie hieß ihn seinen schlüssel zu benutzen, was ihn wunderte, er aber getreu und ahnungsvoll umsetzte, aufschloss, in die diele eintrat und leise ihren namen rief, sie antwortete ebenso leise aus ihrem musikzimmer, wo musik zu hören war, ebenso leise, es klang nach chopin, ein walzer, er zog seine jacke aus und legte ebenso seine kleider auf dem sideboard in der diele ab und trat ein in das zimmer, wo sie bereits auf ihn wartete. sie tanzten ein paar minuten und waren dann bereit, gaben sich ihrem erfrischten appetit auf einander hin, waren glücklich über das gelingen dieser nicht verabredeten kleinen romantischen volte ihres liebeslebens und er berichtete ihr anschließend über seinen gelungenen abend bei Elias.



